Editio Domini · MMXXVI

Erdbeeris

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← Magazin 15. Juni 2026
Saison · Sommer-Häkel

Erdbeer-Anhänger häkeln: Eine Sommer-Anleitung in vier Schritten

Komplette Häkel-Anleitung für einen kleinen Erdbeer-Schlüsselanhänger — mit Material-Liste, Maschenzahl-Skript und Zusammenbau-Hinweisen.

Ein kleiner Erdbeer-Anhänger ist das klassische Sommer-Anfänger-Projekt: überschaubare Maschenzahl, zwei Farben, ein eindeutig erkennbares Motiv. Wer Magic Ring, feste Maschen und einfache Zu- und Abnahmen sicher beherrscht, schafft das Projekt in 60–90 Minuten. Die fertige Beere hat etwa 5 cm Höhe und passt an Schlüsselbund, Rucksack-Reißverschluss oder Stricklisel-Tasche. Die folgende Anleitung läuft in vier Schritten — von der Material-Liste über die Beere und die Blätter-Krone bis zum Zusammensetzen.

Schritt 1 — Material-Liste

Die Mengen reichen für einen Anhänger. Wer eine Serie häkelt (etwa als Geschenk-Beigabe), multipliziert entsprechend.

  • Rotes Baumwoll-Garn, mercerisiert, NM 8/4 — ca. 5 g (entspricht ca. 8 m bei 50 g = 85 m). Klassische Erdbeer-Töne liegen zwischen Karmin und einem leicht orangestichigen Tomatenrot.
  • Grünes Baumwoll-Garn, gleiche Stärke — ca. 2 g (ca. 3 m). Ein frisches Mittel-Grün passt besser als ein dunkles Tannen-Grün.
  • Häkelnadel 3 mm. Bei dieser Nadelstärke entsteht ein dichtes Maschenbild, durch das die spätere Füllung nicht durchscheint. Wer 3,5 mm verwendet, sollte das Maschenbild kontrollieren — wird es zu locker, eine halbe Nadelstärke runter.
  • Füllwatte, Polyester, ca. 1–2 g. Eine kleine Walnuss-Menge reicht.
  • Maschenmarkierer, einer reicht.
  • Schlüsselring (Ø ca. 20–25 mm) oder Karabiner-Haken — je nach späterer Verwendung.
  • Stopfnadel mit großem Öhr für die Faden-Enden und das Aufnähen der Blätter.
  • Optional: ein paar schwarze Stickfäden für die typischen Erdbeer-Punkte.

Schritt 2 — Beere häkeln

Die Beere ist eine konische Spirale mit Zunahmen am Anfang und Abnahmen zum Schluss. Gearbeitet wird in Spiralrunden — ohne Kettmaschen-Schluss, ohne Wende-Lftm. Der Maschenmarkierer kommt nach Runde 1 in die erste Masche und wird nach jeder vollendeten Runde umgehängt.

Mit rotem Garn:
R1: 6 fM in Magic Ring                  = 6 M
R2: jede M verdoppeln (6× 2 fM)         = 12 M
R3: (1 fM, 1 Zun) × 6                   = 18 M
R4: 18 fM                               = 18 M
R5: 18 fM                               = 18 M
R6: (1 fM, 1 Abn) × 6                   = 12 M

Hier die Beere mit Füllwatte stopfen — locker, nicht prall.

R7: 6× Abn                              = 6 M

Faden abschneiden (ca. 15 cm stehen lassen),
durch die letzten 6 M ziehen, fest zuziehen,
Faden ins Innere vernähen.

Die fertige Beere ist etwa 3 cm hoch und 2,5 cm im Durchmesser. Wer eine größere Beere möchte, ergänzt nach Runde 3 eine weitere Zunahme-Runde („(2 fM, 1 Zun) × 6 = 24 M”) und arbeitet zwei zusätzliche glatte Runden, bevor die Abnahmen beginnen.

Die typischen schwarzen Punkte werden nach dem Stopfen mit Stickfaden aufgestickt — kleine schräge Stiche, gleichmäßig auf der Korpus-Fläche verteilt, ca. 12–18 Punkte. Wer den Aufwand spart, lässt die Beere glatt — auch das wirkt.

Schritt 3 — Blätter-Krone häkeln

Die Krone besteht aus einem kleinen Ring aus Luftmaschen, an dem fünf spitze Blätter sitzen. Sie wird flach gearbeitet — keine Spirale, sondern eine Hin-Reihe — und am Ende auf die Beere genäht.

Mit grünem Garn:
R1: 10 Lftm, mit Kettmasche zum Ring schließen.

R2: In den Ring arbeiten, immer im Wechsel:
    – 1 Blatt = 4 Lftm, dann zurück:
      1 Kettmasche in die 2. Lftm ab Nadel,
      1 fM in die 3. Lftm,
      1 fM in die 4. Lftm
    – 1 fM in den Ring (als „Lücke" zwischen den Blättern)
    Diesen Wechsel insgesamt 5× wiederholen.

Faden abschneiden (ca. 25 cm stehen lassen — wird zum Annähen gebraucht).

Die fertige Krone sieht aus wie ein kleiner Stern mit fünf spitzen Zacken um ein zentrales Loch. Das Loch sitzt später mittig über dem Beeren-Scheitel. Wer mag, arbeitet sechs Blätter statt fünf — das wirkt etwas voller, ist aber nicht botanisch korrekt.

Schritt 4 — Zusammensetzen

Reihenfolge: erst stopfen, dann Krone, dann Karabiner. In dieser Reihenfolge sitzt am Ende alles, wo es soll.

Die Beere ist bereits gestopft und unten geschlossen. Jetzt die Krone aufsetzen: das Mittelloch der Krone über den Scheitel der Beere (die Stelle, an der die Magic-Ring-Schlinge geschlossen wurde) legen. Mit dem langen grünen Faden-Ende und der Stopfnadel die Krone in 5–6 kleinen Stichen festnähen — durch je eine Masche der Krone und je eine Masche der Beere. Den Faden ins Innere der Beere ausführen, dort vernähen, knapp abschneiden.

Für den Aufhänger: ein Stück grünes Garn (ca. 15 cm) doppelt nehmen, oben durch den Schlüsselring oder Karabiner ziehen und beide Enden durch das Zentrum der Krone in die Beere stechen. Im Inneren der Beere die Enden zu einem festen Doppelknoten verschließen, anschließend die Enden zwischen die Füllwatte schieben.

Wer einen Karabiner verwendet, kann auf den Knoten verzichten und stattdessen den Karabiner direkt durch eine der äußeren Kronen-Maschen einhaken — schneller, aber weniger stabil.

Die fertige Erdbeere wiegt ca. 6–8 g und überlebt einen Sommer am Rucksack-Reißverschluss problemlos. Bei intensiver Sonneneinstrahlung kann mercerisierte Baumwolle leicht ausbleichen — das ist normal und gehört zur Patina.

Eine Stunde Arbeit, fünf Gramm Garn, ein Sommer am Schlüsselbund — das Verhältnis stimmt.


Ressort: Saison